Interview mit Arnold Wiegand

Es gibt bekanntlich Menschen die Sport machen, soweit so gut. Jene Menschen gehen meist Joggen oder machen eine andere Form des Ausdauersports. Dann gibt es aber noch die hartnäckigen die mehr wollen, diese Leute laufen dann einen Marathon. Das sind rund 42 Km die man am Stück läuft. Einigen wenigen reicht das noch nicht, diese nehmen dann an einem Ironman (Triathlon) teil. Beim Ironman fangen die Kandidaten mit 3,86 Km Schwimmen an, fahren danach rund 180 Km Rad und zum Abschluss wird noch ein Marathon gelaufen.

Und dann gibt es noch diejenigen, die noch mehr wollen. Diese Menschen nehmen an einem doppelten-, einem dreifachen- oder einem fünffachen-Ultra-Triathlon teil. Hierbei schwimmt man 11,4 km, danach fährt man 540 km Rad und läuft zum Schluss noch 126,6 Km – im Bestfall ohne Pause!
Einige fragen sich ob solch eine Leistung überhaupt möglich ist. Für noch mehr Kopfschütteln sorgt die Nachricht, dass es einen Menschen gibt, der dies mit einer veganer Rohkosternährung schafft!

Arnold Wiegand ist mit seinem Leistungsspektrum im Ausdauersport, in Verbindung mit veganer Rohkost, der weltweit führende Spitzensportler. Wir haben uns mit ihm unterhalten:

Wer bist du und was machst du?
Ich bin Arnold Wiegand, 50 Jahre alt, Triathlon Trainer und unterrichte Sport und Schwimmen an Schulen.

Wie lange bist du schon Veganer bzw. Rohköstler?

2003 war ein besonderes Jahr für mich, ich fing mit dem Marathon-Training an und hab meine Ernährung von vegetarisch auf vegan umgestellt. Vorher war ich 13 Jahre Vegetarier. In 2006 hab ich dann meine Ernährung von vegan auf vegane Rohkost umgestellt.

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Wie bist du zur Veganen-/Rohkost-Ernährung gekommen?
Die vegetarische Ernährung kam fließend. Ich aß weniger Fleisch, dann nur noch Huhn, irgendwann war das weg, das war keine bewusste Entscheidung, das hat sich so entwickelt.

Die Umstellung von vegetarisch auf vegan hab ich von einem auf den anderen Tag vorgenommen. Ich hatte zu dem Thema vegan damals wenige oder keine Informationen, ich habe mich auch nicht darum gekümmert, ich hatte einfach den Eindruck es ist an der Zeit mich vegan zu ernähren. Es gab also keinen Anlass in dem Sinne, dass ich krank wäre, etwas für meine Gesundheit tun müsste, abzunehmen oder Tier- und Umweltschutz zu betreiben. Die Auswirkung ist natürlich in allen Bereichen da, aber ursächlich war es eine Bauch Entscheidung: „Das will ich machen“.

Warst du vor deiner Ernährungsumstellung bereits Spitzensportler?

In 2003, mit der Umstellung auf eine vegane Ernährungsweise, fing ich zeitgleich mit dem Training an. Mit 19 oder 20 Jahren habe ich dreimal an einem Halb-Marathon teilgenommen, danach war aber 17 bis 18 Jahre nichts.

Gar nichts? keinerlei Sport oder Training?

Naja, ich bin einmal oder alle zwei Wochen drei km joggen gewesen, und einmal alle sechs Wochen war ich im Schwimmbad. Das hatte aber nichts mit kontinuierlichem Sport oder einem gezielten Training zutun.

Welche sportlichen Ziele konntest du als Rohköstler erreichen? Für diejenigen, die es nicht wissen, was ist ein dreifacher Ironman?

So ein Ironman besteht aus den Sportarten: Schwimmen, Radfahren und Laufen. Beim Schwimmen werden 3,8 km zurückgelegt, beim Radfahren 180 km und beim Laufen ein Marathon, also 42,2 km. Am Ironman hab ich 5x in Frankfurt teilgenommen. Währenddessen hab ich mich schon für längere Distanzen interessiert. Da gibt es die doppelte- und die dreifache Ironman-Distanz, die Doppelte hab ich 2x gemacht, die dreifache 5x. Bei der Dreifachen werden 11 km geschwommen, 540 km Rad gefahren und 126 km gelaufen. So ein Wettkampf geht rund um die Uhr, man kann sich Pausen nehmen wann und wie lange man möchte, aber eines ist klar, je öfter die Pause, umso später kommt man ins Ziel. Die letzten drei Mal, beim dreifachen Ironman, habe ich keinerlei Pausen (auch keine Schlafpause) mehr gemacht, ausgenommen ein schneller Kleidungswechsel, der Gang zur Toilette oder kurze Fahrradmontagen.

Was sind deine zukünftigen Ziele?

In 2014 will ich an einem 24-Stunden Radrennen teilnehmen und eine vordere Platzierung erreichen. Der dreifache Ironman in Lensahn bei Schleswig-Holstein ist auch geplant. Hierbei will ich auch eine vordere Platzierung erreichen. Die bisherigen Platzierungen in den letzten drei Jahren beim dreifachen Ironman waren 5, 6 und 9.

2014 willst du also wieder loslegen, bist du schon kräftig am Trainieren?

Nö, jetzt hab ich meine Jahrespause, d.h. da mache ich recht wenig, neben dem Grundlagen-Training mache ich hier Regeneration. Richtig los geht es dann wieder im Dezember/Januar.

Wie lange braucht man da für die Vorbereitung?

Ein gutes halbes Jahr.

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Auf was sollte man achten wenn man mit rohkostreicher Ernährung anfängt?
Das ist eine sehr allgemeine Frage, die ist schwierig in einem Satz zu beantworten. Was ganz wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass man Nährstoffe braucht. Man muss sich darüber informieren wo die enthalten sind, um dann für sich festzulegen, wie viel man davon braucht. Die Nährstoffe sollten dann in Form von vielhaltigen und leckeren Gerichten zu sich genommen werden.

Man muss sich also ein gewisses Grundwissen aufbauen und sich damit beschäftigen um die speziellen Bedürfnisse des Körpers zu kennen und zu wissen was er braucht?

Genau, in dem Sinne „hin spüren“, gibt es etwas was ich verbessern sollte oder nicht. Ich denke da beispielsweise an Magnesium, wenn jemand viel geistige Arbeit leistet oder Sport macht. Wenn er dann abends im Bett liegt und Wadenkrämpfe bekommt, dann ist das meistens ein klarer Hinweis von Magnesium Mangel.

Und das Magnesium-Thema wird sicherlich nicht das einzige sein. Es ist also damit verbunden, dass man eine Wissensbasis und ein Gefühl über seinen eigenen Körper aufbauen muss, quasi auf die Signale des Körpers achten sollte?

Genau, das war auch die Grundlage für mich, meine Bücher zu veröffentlichen und auch eine DVD zu produzieren. Ich habe mir gesagt: Mensch, ich habe die ganzen Erfahrungen gesammelt, habe experimentiert und wenn es andere Menschen gibt, die sich auch damit beschäftigen, die vielleicht nicht so eine sportliche Zielsetzung haben, aber trotzdem einen Ratgeber für den Alltag suchen und nicht bei Null anfangen wollen, können somit aus meiner Erfahrung profitieren. Deshalb hab ich das auch in dieser Form gemacht, beispielsweise habe ich meine Wettkampferfahrungen beschrieben oder auch Nährstofftabellen erstellt um zu wissen was wo drin ist. Die Hauptnährstoffe (Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette) sind auf den Verpackungen abgedruckt aber darüber hinausgehende Infos, wie Magnesium, Calcium, Eisen, Omega3 Fettsäuren usw. sind schwieriger zugänglich. Deshalb hab ich diese Übersichten auch ins Buch aufgenommen.

Also könntest du dein Buch sowohl für Einsteiger als auch fortgeschrittene Rohköstler und Sportler empfehlen?

Ja, das ist sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene interessant.

Was rätst du Menschen, die eine rohkostreiche Ernährung mit Sport kombinieren wollen?

Das Maß der Dinge ist das eigene Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Wenn eines von beiden, oder beides, nicht gewährleistet ist, ist die Ernährung nicht ausreichend. Das heißt, wenn jemand 1kg Möhren und 1kg Äpfel am Tag isst dabei aber nicht Leistungsfähig ist, ist das zwar gesund und Rohkost, aber es reicht nicht aus. Man muss eine vielfältige Ernährung haben um sich mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen um auch ein gewisses Wohlbefinden zu schaffen.

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Welche Vorteile siehst du als Sportler für dich mit Rohkost im Vergleich zu herkömmlicher Ernährung?
Ich hab eine ganz deutliche Energiesteigerung, bei der Umstellung von vegetarisch auf vegan gespürt. Auch die Umstellung von vegan auf vegane Rohkost gab nochmals ein höheres Energieniveau. Ich kann für mich leider nicht sagen, dass ich dadurch sportlich leistungsfähiger wurde, da es bei mir keine Zeit davor und danach gab, der Leistungssport fing ja erst mit der Umstellung der Ernährung an. Dies ist für mich aber auch nur zweitrangig, denn das, was ich erreicht habe - wie beispielsweise den fünffachen Ironman, an dem an fünf Tagen jeweils jeden Tag ein Ironman absolviert wird - zu erreichen und zu dokumentieren ist außergewöhnlich. So etwas verbindet man normalerweise nicht mit einem veganen Rohköstler. Üblicherweise wird genau das Gegenteil mit dieser Ernährungsweise verbunden: Schwächlich, abgemagert, keine Kraft, usw.

Gibt es auch Nachteile, die mit dieser Ernährungsweise auftreten? Wenn ja welche?

Kann ich nicht sagen, nein. Es fallen mir keine ein.

Man hört oft, das Menschen, die sich ausschließlich von Rohkost ernähren, große Kälte verspüren und das Wohlbefinden sinkt. Wie ist dein allgemeines Wohlbefinden seit der Umstellung auf Rohkost?

Ich kann ganz klar sagen: Mein Wohlbefinden ist optimal.

Es ist richtig, auch ich habe diese Menschen, die Kälte verspüren, die schnell frieren oder zu viel abgenommen haben, kennengelernt. Deshalb sage ich, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit sind das Maß der Dinge und wenn das nicht gewährleistet ist, hat jemand eine Mangelernährung, auch wenn er sich gesund ernährt hat. Das frieren führe ich auch darauf zurück, das da nicht genügend Stoffwechselaktivität vorhanden ist z.B. durch zu wenig oder keinen Sport. Wenn jemand Muskelmasse hat, dann produziert diese auch Wärme und dann ist einem im Normalfall auch warm genug. Das kann ich direkt bestätigen, oder glaubst du ich würde im Winter Eisschwimmen gehen, wenn ich im Alltag schon frieren würde?! Dann würde ich sicher nicht ins Eiswasser gehen.

Wie hoch ist dein Anteil an Rohkost?

Das schwankt zwischen 95 und 100%. Es gibt Phasen in denen es im Alltag schwierig ist umzusetzen. Das ist beispielsweise mal im Urlaub, wenn die Auswahl am Salat-Büffet nicht so groß ist, dann ergänze ich das durch gekochtes Gemüse. Im Wettkampf hab ich auch gemerkt das Rohkostbrot, durch das volle Korn, zu schwer verdaulich ist. Da nehme ich gebackenes Brot, weil mir das dienlich ist, um meine Leistung zu erbringen, da gehen einfach die Kohlenhydrate schneller ins Blut über. So gibt’s einfach Phasen, da muss man eben ein wenig abweichen.

Du hast also keine dogmatische Sichtweise, wie bestimmte andere Autoren, die predigen: „100% Rohkost ist das einzig Wahre“? Du hörst mehr auf dein eigenes Körpergefühl und agierst dann entsprechend?
So ist es, das war auch eine Anmerkung zu Beginn meines Buchs. Ich distanziere mich da von anderen Ernährungsformen bzw. Rohkostrichtungen. Es gibt bei mir kein Dogma wie beispielsweise: „Nur 100%, ansonsten ist man des Teufels oder schädigt sich usw.“. Es gibt in der Szene so viele verschiedene Richtungen: Manche sagen kein Öl, andere kein Salz oder das Obst und Gemüse darf nicht zerkleinert werden, usw. Mit all dem habe ich nichts zu tun.

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Du hast bereits zwei Bücher geschrieben und eine DVD veröffentlicht, was ist inhaltlich zu erwarten?
Bei meinem ersten Buch ging es um den ganzen Beginn im Spitzensport. Erste Wettkampferfahrungen die ich gemacht habe, vom Langstreckenlaufen und –schwimmen, danach Triathlon. Zudem einige Ernährungshintergründe und Funktionsgymnastik sowie Lauftechnik.
Beim zweiten Buch „Roh-Vegan + Sport“ hab ich die Wettkampferfahrung fortgesetzt und habe über Rohkost, die Hintergründe, was zu beachten und wichtig ist geschrieben. Zudem habe ich Nährstofftabellen mit entsprechendem Ranking der Lebensmittel erstellt, um zu sehen wo was drin ist. Es gibt auch 80 Rohkostrezepte, die ganz bewusst einfach gehalten sind um sie auch im Alltag zu integrieren und umzusetzen. Es nützt nichts wenn ich 15 Zutaten in verschiedenen Shops kaufen müsste, das ist meiner Meinung dann nicht mehr alltagstauglich. Zum Schluss gibt es noch eine Anleitung für Funktionsgymnastik um speziell die Rumpfstabilität zu stärken.
Bei der DVD wurde ich bei der Vorbereitung zum dreifach Ironman begleitet, dem Wettkampf an sich, beim Eisschwimmen, bei Interviews, bei der Zubereitung von Rohkostgerichten, usw.

Hast du „Geheim-Tipps“ für Rohköstler und diejenigen die es werden wollen?

In Bezug auf Rohkost in dem Sinne nicht, da gibt’s nicht „das Eine“ auf das man achten sollte und alles andere kann man ignorieren, das kann man nicht auf einen Punkt bringen. Entscheidend ist sich mit den Nährstoffen zu beschäftigen und diese eben in Form von einer Vielfalt von Gerichten zu sich zu nehmen. Es ist auch ganz wichtig über einen Fundus von Rezepten zu verfügen damit es nicht langweilig wird und damit man eine Vielfalt hat. So hat man dann eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung.

Was möchtest du noch sagen?

Es ist eine ganz einfache Sache: Wenn jemand das Gefühl hat: „Das sollte ich mal ausprobieren“, dann einfach machen. Einen Selbstversuch starten, ausprobieren ob das auch für einen selbst passt und funktioniert.

Es ist so, dass es aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht klar ist, warum Rohkost bei manchen Menschen Jahrzehnte lang funktioniert und bei manchen nicht. Hier muss man einfach herausfinden ob es in der aktuellen Lebenssituation zu einem passt oder nicht. Es gilt herauszufinden ob es da noch etwas zu verbessern gibt oder ob mir das so dienlich ist und danach einfach machen.
Man sollte sich da nicht zu sehr auf das, was in den Medien steht fixieren. Besser ist es, Literatur zu sich nehmen und zu schauen was man beachten kann.

Vielen Dank für das Interview Arnold!
Sehr gerne.

Arnold Wiegands Buch und seine DVD finden Sie bei uns im Shop. Einen ersten Eindruck in bewegten Bildern können Sie hier sehen:


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